Der Wolf kehrt zurück – Warum Wildkameras für Monitoring und Forschung unverzichtbar sind

Der Wolf kehrt zurück – Warum Wildkameras für Monitoring und Forschung unverzichtbar sind

Der Wolf (Canis lupus) ist nach über 150 Jahren Abwesenheit seit den 1990er-Jahren erfolgreich nach Deutschland zurückgekehrt. Im Monitoringjahr 2024/25 (1. Mai 2024 bis 30. April 2025) wurden laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) insgesamt 276 bestätigte Wolfsterritorien gezählt, darunter 219 Rudel, 43 Paare und 14 territoriale Einzeltiere. In 202 Rudeln konnte Reproduktion nachgewiesen werden, mit insgesamt mindestens 770 Welpen. Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Wölfe liegt bei mindestens 1.636 Individuen – ein Wert, der im Vergleich zum Vorjahr (2023/24) weitgehend stabil blieb und erstmals eine Stagnation nach jahrelangem Wachstum zeigt.

Diese Zahlen basieren auf einem bundesweit standardisierten Wolfsmonitoring, das von den Bundesländern durchgeführt und von der DBBW koordiniert wird. Zu den zentralen Methoden gehören:

  • Suche nach Losung, Urin-Markierungen und Trittsiegeln
  • Genetische Analysen von Kot- oder Speichelproben
  • Meldungen aus der Bevölkerung
  • und vor allem der Einsatz von Wildkameras (auch Fotofallen oder Kamera-Fallen genannt)

Die entscheidende Rolle von Wildkameras im Wolfsmonitoring

Wildkameras sind heute eines der wichtigsten Instrumente der modernen Wildtierforschung in Deutschland. Ausgestattet mit Bewegungssensoren und Infrarot-Blitz liefern sie rund um die Uhr Fotos und Videos – meist nachts oder in der Dämmerung, wenn Wölfe besonders aktiv sind. Besonders wertvoll: Gute Aufnahmen ermöglichen oft die Identifikation einzelner Individuen anhand äußerer Merkmale (Narben, Fellzeichnung, Schwanzhaltung) oder erlauben die Zählung von Welpen in einem Rudel.

Behörden und Forschungsinstitute betonen den hohen Stellenwert von Wildkameras:

  • In Schleswig-Holstein werden sie als „wichtiges Instrument“ beschrieben, um Individuen zu erkennen und Welpenzahlen zu bestimmen.
  • Das Bayerische Landesamt für Umwelt und die sächsische Fachstelle Wolf zählen Bildmaterial von Wildkameras neben genetischen Proben zu den entscheidenden C1-Nachweisen (höchste Bestätigungsstufe).
  • Im Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen) startete Anfang 2025 ein spezielles Projekt mit 30 Wildkameras, um die genaue Anzahl lokal ansässiger Wölfe zu ermitteln.
  • Auch in Baden-Württemberg und anderen Ländern gehören Fotofallen zur Standardausrüstung des landesweiten Monitorings.

Citizen-Science-Projekte wie die Biosphere Expeditions in der Lüneburger Heide setzen ebenfalls auf Wildkameras und ehrenamtliche Helfer, um Daten für die Forschung zu sammeln.

Vorteile von Wildkameras gegenüber anderen Methoden

Der größte Vorteil von Wildkameras liegt in ihrer gezielten und kontinuierlichen Arbeitsweise. Im Gegensatz zur aufwändigen Suche nach genetischem Material oder direkter Beobachtung liefern sie:

  • Langzeitdaten mit minimalem Personalaufwand
  • Einblicke in Verhalten, Aktivitätsmuster und Rudelstruktur
  • Objektive Belege für die Anwesenheit und Reproduktion
  • Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Wildtieren im selben Gebiet

Zusammen mit der genetischen Individualerkennung bilden Wildkameras die Grundlage für belastbare Aussagen zur Populationsentwicklung, zur Ausbreitung und – nicht zuletzt – für fundierte Entscheidungen im Wolfsmanagement.

Fazit: Wildkameras – Schlüsseltechnologie für eine faktenbasierte Wolfspolitik

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland ist ein großer Erfolg für den Artenschutz – stellt aber auch Gesellschaft, Landwirtschaft und Politik vor neue Herausforderungen. Eine sachliche Diskussion ist nur auf der Basis verlässlicher Daten möglich. Wildkameras, oft in Kombination mit genetischem Monitoring, leisten hier einen entscheidenden Beitrag.

Ob in Niedersachsen, Bayern, Sachsen oder Baden-Württemberg: Ohne den flächendeckenden Einsatz moderner Wildkameras wäre das aktuelle, sehr detaillierte Bild der Wolfspopulation in Deutschland nicht denkbar. Sie liefern nicht nur Zahlen, sondern echte Einblicke in das verborgene Leben eines faszinierenden Beutegreifers – und sind damit unverzichtbar für Forschung, Monitoring und eine evidenzbasierte Koexistenz von Mensch und Wolf.

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